Kurbellänge bestimmen: welche Länge passt zu dir?
Kurbellänge: Wie du deine ideale Kurbellänge misst und bestimmst, für Rennrad, Gravelbike oder Mountainbike. Inklusive Anleitung zum Messen der Kurbelarmlänge.
Es wurde viel über die optimale Kurbellänge für Radfahrer geforscht. Das Ergebnis ist, dass die ideale Länge sehr individuell ist und von vielen Faktoren abhängt. Die Forschung widerlegt auch einige frühere Überzeugungen:
- Du brauchst keine längere Kurbel, um mehr Leistung zu liefern
- Du kannst deine optimale Kurbellänge nicht anhand deiner Schrittlänge bestimmen
Die Kurbellänge ist nur ein kleiner Teil deiner Sitzposition. Du kannst bei uns auch ein vollständiges Online-Bikefit machen, damit du komfortabler, länger und schneller fahren kannst.
Praktische Richtlinie zur Wahl deiner Kurbellänge
Aus praktischer Sicht ist die Wahl der richtigen Kurbellänge für die meisten Radfahrer sehr einfach. Die Standardkurbel an deinem Rad wird wahrscheinlich gut funktionieren. Und wenn du zwischen zwei Kurbellängen beim Kauf eines neuen Rades schwankst, ist die kürzere die sicherere Wahl.
Die von Fahrradmarken verwendeten Standardkurbel unterscheiden sich nicht viel in der Länge (typischerweise 165 mm bis 175 mm). Die meisten Studien untersuchen einen viel größeren Bereich, manchmal von 120 mm bis 220 mm. Und selbst bei diesem größeren Bereich ist der Einfluss auf die Leistung des Fahrers oft sehr gering. Der Unterschied zwischen einer 172,5-mm- und einer 170-mm-Kurbel ist für einen Nicht-Profi-Radfahrer in der Regel irrelevant. Bemerkenswert ist, dass immer mehr Profis (wie Tadej Pogačar mit 165 mm) bewusst kürzere Kurbeln wählen als früher üblich, hauptsächlich wegen der aerodynamischen und ergonomischen Vorteile.
Es gibt Ausnahmen, für die eine Anpassung der Kurbellänge relevant ist. Lies den Rest dieses Artikels, um mehr darüber zu erfahren.
So misst du die Kurbelarmlänge
Wenn du wissen möchtest, welche Kurbellänge derzeit an deinem Rad ist, gibt es zwei Möglichkeiten. Die einfachste: Schau auf die Innenseite des Kurbelarms. Bei fast allen modernen Kurbeln ist dort die Länge eingraviert oder aufgedruckt, zum Beispiel '170', '172.5' oder '175'. Das ist die Kurbellänge in Millimetern.
Wenn nichts eingraviert ist, kannst du die Kurbellänge selbst messen. Die Kurbellänge (auch Kurbelarmlänge genannt) ist der Abstand von der Mitte der Tretlagerachse zur Mitte der Pedalachse, gemessen entlang der Mittellinie des Kurbelarms. Verwende ein Maßband oder Lineal und miss so genau wie möglich zwischen den beiden Achsen. Es ist also nicht die Gesamtlänge des Kurbelarms, sondern speziell der Mittenabstand zwischen den beiden Achslöchern.
Erkenntnisse aus den Studien zur Kurbellängenoptimierung
Die vier wichtigsten Erkenntnisse aus den verschiedenen Studien zur Kurbellänge sind:
- Je höher deine Trittfrequenz, desto kürzer die optimale Kurbellänge
- Eine kürzere Kurbel belastet Knie und Hüfte weniger
- Mit einer kürzeren Kurbel kannst du aerodynamischer auf dem Rad sitzen
- Die Kurbellänge hat keinen Einfluss auf deine maximale Leistung
Je höher deine Trittfrequenz, desto kürzer die optimale Kurbellänge
Sowohl theoretische Berechnungsstudien als auch Feldstudien zeigen einen starken Zusammenhang zwischen deiner Trittfrequenz und deiner optimalen Kurbellänge. Wenn du mit einer relativ hohen Trittfrequenz fährst, ist eine relativ kürzere Kurbel optimaler für dich.
Die optimale Trittfrequenz selbst hängt auch von vielen widersprüchlichen Faktoren ab und ist daher sehr persönlich. Eine niedrige Trittfrequenz (um 60 U/min) ist am effizientesten in Bezug auf den Sauerstoffverbrauch pro geleistetem Watt. Aber bei niedriger Trittfrequenz sind auch die Muskelspannung und die Gelenkbelastung viel höher. Dadurch ermüdest du schneller und hast ein höheres Risiko für Überlastung, Krämpfe oder sogar Verletzungen. Deshalb fahren Etappenrennfahrer oft mit einer hohen Trittfrequenz, um sich schneller zu erholen.
Andere Faktoren, die deine optimale Trittfrequenz beeinflussen, sind dein Muskelfasertyp, das Gewicht deiner Beine und die Leistung, mit der du fährst.
Das erklärt auch, warum größere Radfahrer nicht unbedingt eine längere Kurbel brauchen. Wenn du groß bist, aber mit dünnen, leichten Beinen, schnell fährst und gut trainierte schnelle Muskelfasern hast, fährst du wahrscheinlich mit hoher Trittfrequenz und eine relativ kürzere Kurbel passt besser zu dir.
Eine kürzere Kurbel belastet Knie und Hüfte weniger
Mit einer kürzeren Kurbel steigt dein Fuß weniger weit hoch. Dadurch müssen deine Knie und Hüfte keinen so engen Winkel machen. Die höchste Spannung in Gelenken tritt beim kleinsten Winkel auf (versuche zum Beispiel, tief in die Knie zu gehen). Weil diese Winkel weniger spitz werden, sinkt die Spitzenbelastung und du hast ein geringeres Risiko für Kniebeschwerden.
Mit einer kürzeren Kurbel kannst du aerodynamischer auf dem Rad sitzen
Mit einer kürzeren Kurbel steigen die Oberschenkel weniger weit hoch. Dadurch kannst du deinen Oberkörper weiter senken und eine aerodynamischere Position einnehmen. Das ist hauptsächlich ein Vorteil beim Zeitfahren und für Rennfahrer, die eine tiefe Sitzposition aushalten können.
Die Kurbellänge hat keinen Einfluss auf deine maximale Leistung
Jim Martin erforschte den Einfluss der Kurbellänge auf die maximale Leistung. Die überraschende Schlussfolgerung ist, dass die Kurbellänge praktisch keinen Einfluss auf die maximale Leistung hat, die du liefern kannst. Der Unterschied in der maximalen Leistung war weniger als 1 % über alle gängigen Kurbellängen. In seiner Forschung untersuchte er sogar Kurbeln von 120 mm bis 220 mm Länge, und der Unterschied in der maximalen Leistung zwischen der kürzesten und der längsten Kurbel betrug nur 4 %.
Wenn du basierend auf diesen Informationen eine andere Kurbellänge wählst, bedenke, dass du auch deine Sattel- und Lenkerhöhe anpassen musst, um eine identische Sitzposition beizubehalten.
Hilfe bei weiteren Radeinstellungen
Wir möchten dir auch bei der Optimierung anderer Elemente deines Rad-Setups helfen. Am komplexesten ist das Finden deiner optimalen Sitzposition. Dies ist komplex, weil es nicht eine einzige optimale Standardposition gibt. Aerodynamik, maximale Leistung, Komfort und Radkontrolle stellen alle unterschiedliche Anforderungen an deine Sitzposition. Deine persönlichen Radsportziele und Prioritäten spielen daher eine wichtige Rolle bei der Bestimmung deiner optimalen Sitzposition.
Für weitere Erklärungen lies unseren Artikel Was ist deine ideale Sitzposition auf dem Rad.
Bei der Bestimmung der Sitzposition werden die Positionen aller deiner Kontaktpunkte (Pedale, Sattel, Lenker) mit dem Fahrrad festgelegt. Neben der richtigen Position ist es auch wichtig, die Kontaktpunkte selbst zu optimieren. Die Artikel hinter den folgenden Links bieten wichtige Tipps und Ratschläge, wie du das tust. Wie bestimmst du optimal:
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